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Petra Büchel, 33

Kulturmanagerin/ Pädagogin
Projektleiterin der "Erzählnachmittage – Kaleidoskop der Erinnerungen", Triesen (LI)

1.2.2007

Was ist Kulturmanagement?

Kulturmanagement ist ein Weg, Kultur zu organisieren und Mittel dafür bereitzustellen.

Warum braucht es Kulturmanagement?

Bei allen neuen Ausbildungen entsteht die Frage, ob es sie überhaupt braucht. Viele Leute denken, dass sich die Begriffe Kultur und Management beissen. Menschen, die schon lange in der Kulturbranche arbeiten, hatten da sicher Vorbehalte, dass man in einem zweijährigen Studium die erforderlichen Kenntnisse erlangen kann.

Tendenziell wurden in den letzten Jahren künstlerische und administrative Kompetenzen in Kulturinstitutionen getrennt. Kulturmanagement ist der Versuch, solche Kompetenzen zu vereinen. In Australien beispielsweise ist der Studiengang aufgrund grosser Festivals entstanden, für die man in Kultur bewanderte Businessleute brauchte.

Kulturmanager/innen sind also Manager/innen mit Kenntnissen über Kultur?

Kulturmanagement ist zwar eine Art Spezialität im Bereich Management, jedoch ist es auf der anderen Seite ein Allrounderjob, da man von vielem etwas wissen muss wie zum Beispiel BWL, Organisationslehre, Kunstgeschichte, Kulturtheorie, Kulturpolitik und so weiter.

Wie unterscheidet sich Kultur- und Eventmanagement?

Kulturmanagement betrifft den gesamten Bereich von bildender und darstellender Kunst, sowie auch historische Themen. Eine Kulturmanagerin kann also für ein Kunstmuseum, ein Theater, ein geschichtliches Museum oder auch für eine Musikband oder eine klassisches Ensemble tätig sein. Eventmanagement bearbeitet punktuell ein Ereignis. Das kann ein Tennisturnier ebenso wie eine Ladeneröffnung oder die Jahresversammlung eines grossen Vereins sein. Manchmal überschneiden sich die Bereiche auch. Es gibt ja auch kulturelle Events.

Was bedeutet Kultur in Bezug auf deine Arbeit im Kulturzentrum Gasometer?

Der Begriff Kultur muss hier sehr breit gefasst werden. Er geht von Geschichte über bildende Kunst bis zum Zusammenleben im Dorf. Hier muss ein Vortrag ebenso wie eine Ausstellung, eine Theateraufführung oder ein Konzert Platz haben.

Nach welchen Kriterien suchst du die Aktivitäten aus hier?

Ein Kriterium ist, dass Ausstellungen oder Veranstaltungen einen Bezug zum Dorf oder zur Region zu haben. Es ist auch wichtig, ob ein Projekt z.B. künstlerisch interessant und nachhaltig ist bzw. ob es etwas auslöst, eine Ausstrahlung hat und Leute bewegen kann.

Was ist deine persönliche Motivation für diese Arbeit?

Es ist sicher mein Interesse an Leuten und Geschichten, das im Vordergrund steht. Ich bin ein Mensch, der gerne lernt, schaut und zuhört. Eine Portion Idealismus gehört da wohl auch dazu. Und schliesslich muss man auch das Organisatorische mögen, ohne ginge es nicht.

Was profitierst du von deiner Arbeit?

Bei einer Ausstellung im sozialhistorischen Bereich ist es der Wissensaspekt, der mich interessiert. Und wenn es orts- oder regionsspezifisch ist, hat es auch für mich eine Bedeutung, weil ich von hier komme. Es ist identitätsstiftend. Und ich glaube, identitätsstiftend ist Kultur im Allgemeinen: wer bin ich? woher komme ich? wohin kann ich gehen? Diese Fragestellungen betreffen auch die bildende und darstellende Kunst.

Was unterscheidet Kulturmanager/innen von Menschen, welche Kulturbetriebe autodikaktisch aufgebaut haben?

In anderen Ländern wie Deutschland oder Australien gibt es das Studium Kulturmanagement schon länger. In der Schweiz hingegen seit etwa 6 Jahren. Es gab Anfangs Widerstand von den Menschen, welche ihren Weg „learing by doing“ gegangen sind und da extrem viel geleistet haben. Für mich gibt es keinen richtigen Weg, es sind einfach unterschiedliche Herangehensweisen, und dass es Kulturmanagement nun als Studium gibt, ist wohl auch eine Zeiterscheinung. Mir persönlich hat es einiges gebracht, obwohl mir der Kulturbetrieb nicht fremd war. Vor allem die Businessseite ist wichtig, da viele Kulturbetriebe institutionalisiert oder vom Staat subventioniert sind und da muss man auch mit Leuten aus dem Finanzbereich sprechen können. Mir hat das Studium da ein Instrument für Argumentation in die Hände geben.

Dann sind die Unterschiede gar nicht so relevant?

Es gibt gar nicht so grosse Unterschiede. Jemand, der nur ein Kulturmanagement-Studium macht und nicht für Kultur lebt, kann meiner Meinung nach sowieso nicht erfolgreich sein. Ausserdem gibt es auch noch andere Wege wie beispielsweise der Direktor des Opernhauses Zürich, der aus der Wirtschaft kommt und sich nun dafür entschieden hat, sein Wissen in Kultur zu investieren. Das passiert aber meist nur bei grossen Institutionen, die sich das auch leisten können. Bei kleineren Institutionen ist es sicher von Vorteil, wenn man von der ganzen Administration und Management etwas weiss und Allrounderqualitäten hat.

Wie würdest du Erfolg definieren?

Da gibt es zwei Ebenen. Erstens ist es die Freude, sowohl meine als auch die der Besucher. Das sieht man an den Gesichtern, hört man an den Kommentaren oder liest man im Gästebuch. Zweitens sind es messbare Dinge wie beispielsweise Besucherzahlen oder der finanzielle Erfolg.

Erfolg definiert sich natürlich sehr stark über das Feedback der Besucher/innen, der Zeitungen oder auch der Fachpersonen. Ein Kurator war einmal hier und hat sich dafür interessiert, ein ausgestelltes Kunstwerk für ein Museum zu kaufen. Es war ein schönes Erlebnis, dass eine Ausstellung mehr als nur das lokale Interesse erweckt.

Wie merkst du, ob ein Projekt zeitgemäss oder zukunftsorientiert ist?

Beim Arbeiten spürt man, was gefragt ist. Ich finde extrem wichtig, dass man versucht, die verschiedenen Bedürfnisse, auch von verschiedenen Generationen, zusammenzubringen. Es hat zum Beispiel ein grosser gesellschaftlicher Wandel in der Art des Kommunizierens stattgefunden. Manchmal mokieren sich ältere Leute, dass jeder Jugendliche ein Handy hat, aber es ist ja nicht so, dass man sich nicht mehr trifft. Die Kommunikation hat sich einfach verändert.

Es ist wichtig, bei solchen Themen Diskussionen auszulösen und in allen Bereich zum Austausch aufzufordern. Schönes zu zeigen ist gut, aber oft reicht es nicht.

Welche Projekte haben hier stattgefunden, welche deiner Meinung nach zeitgemäss und vielleicht sogar zukunftsweisend sind?

Es waren bis jetzt drei Projekte, die ich hier nennen möchte.

1. „Liechtenstein geht FREMD“ (Ein interkultureller Kongress als Austauschplattform für neue pädagogische Ansätze)

Mich faszinierte bei diesem Projekt der Mut, Vielfalt zu zeigen und Dinge offen zu lassen, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren. Man braucht dafür Leute, welche mit viel Offenheit umgehen können und auch den Mut haben, auf Unverständnis zu stossen.

Interkulturalität ist ausserdem ein hochaktuelles Thema, das die Leute beschäftigt. Hier in Triesen leben beispielsweise 57 Nationalitäten. Unsere Welt hier ist nicht mehr das kleine Dorf, auch nicht mehr Europa, unsere Erlebniswelt umschliesst jetzt alle Völker und Kontinente.

2. „projekt kyrgyz_stein“ (Austellung und Performances von Künstlern aus Kirgistan)

Dieses Projekt entstand mit wenig Zeit und Aufwand, jedoch hat es viel ausgelöst und bewegt. Es steht im Gegensatz zu Projekten, die zuerst viele Mittel brauchen, bevor etwas getan wird.

3. Erzählnachmittage (Leute jedes Alters tauschen Erfahrungen aus und erzählen Geschichten)

Mich interessierten immer schon Geschichten. Können Geschichten zu Geschichte werden? Und was kann man in den Alltag übertragen? Geschichten können bei den Zuhörer/innen Prozesse auslösen, es können Erfahrungen ausgetauscht werden.

Gibt es verallgemeinerbare Regeln für die Organisation von Projekten?

Es gibt sicher allgemeingültige Sachen wie beispielsweise der Respekt gegenüber dem Team und den anderen Beteiligten. Es gibt natürlich auch hunderte von Checklisten, jedoch gibt es ein paar Aspekte, die ich besonders wichtig finde.

Bei einem Projekt muss man Interesse haben und neugierig sein. Und das muss man auch andere Menschen übertragen können. Bei meiner Arbeit als Lehrerin war für mich immer das Wichtigste, dass die Kinder etwas wissen wollen und neugierig sind.

Man muss Kultur immer wieder erklären, auch wenn es noch so schwierig ist. Der Begriff Kultur wird in jedem möglichen und unmöglichen Zusammenhang gebraucht. Deshalb muss man erklären, welche Kultur man meint. Ob es die Nike-Kultur oder eben eine andere ist.

Kommunikation und Teamarbeit sind sehr wichtig. Als Kulturmanager/in muss man verschiedene Sprachen sprechen. Ich muss mit Künstlern, mit Vereinsleuten vom Dorf, mit dem Hauswart und mit dem Grafiker sprechen und am Schluss alles zusammenbringen. Wenn man seine Vorstellungen nicht kommunizieren kann, entstehen schnell Missverständnisse.

Für ein Team braucht man die passenden Leute, obwohl man natürlich immer wieder auch mit Menschen arbeiten muss, die eine völlig andere Herangehensweise haben. Daraus kann man viel lernen, aber es ist manchmal auch sehr anstrengend.

Es ist ausserdem sehr wichtig, alles bis ins kleinste Detail organisieren zu können und auch auf kleinste Dinge zu achten. Man muss auch an die Blume denken, die auf dem Tisch steht, da sie dafür steht, dass sich jemand Mühe gegeben hat.