Main Contents

Herwig Bauer, 34

poolbar Festival GmbH

23.2.07

Ist die poolbar dein einziger Job?

Es ist der einzig permanente Job. Ich arbeite nebenher an mehreren kleineren Projekten; Ich bin Co-Organisator einer kleinen Bühne beim Donauinselfest in Wien, leitete unlängst ein Seminar für die NÖ Landesregierung, schreibe gelegentlich Berichte für ein kulinarisches Magazin. Mein Brotjob neben dem Festival ist die Arbeit für das (in meinen Augen großartige) Popkulturmagazin „the gap“ (www.thegap.at), für das ich ganz profan Inserate verkaufe, da ich vom poolbar Festival alleine nicht leben kann.

Kommst du aus Feldkirch?

Ja. Deshalb findet das poolbar-Festival auch hier statt. Ich machte den ersten Abschnitt meines Studiums in Innsbruck, war dann ein Jahr in Mexiko und machte den zweiten Abschnitt in Wien, wo ich dann auch hängen geblieben bin und dort mit meiner Freundin wohne.

Du bist eigentlich Architekt?

Ich habe Architektur studiert, habe aber mit dem Bereich Architektur bis auf den Architekturwettbewerb im Rahmen des Festivals wenig zu tun.

War die poolbar deine Idee?

Kann man sicher sagen – aber schnell machte ein großer Freundeskreis mit. Die poolbar gibt’s schon seit 1994, aber ich habe es nicht immer von Wien aus gemacht. Zu jener Zeit habe ich selber viele gestalterische Dinge ausprobiert wie Schnitzen, Filmen, Malen etc. und irgendwann ging ich sogar in einen Glasbläsereikurs und dieser war dann der Anlass, eine 2-wöchige Workshopreihe zu gründen. Daraus ist dann mit den Jahren das poolbar Festival entstanden. Ich war ganz am Anfang zwar alleine, aber sehr schnell ist ein großer Teil meines Freundeskreises dazu gewachsen und hat das ganz stark mitgetragen.

Wie war die Workshopreihe organisiert?

Die Workshops fanden alle gleichzeitig in einem großen Raum statt mit der Idee, dass man sich gegenseitig - kursübergreifend - befruchten und über die Schulter schauen konnte. Ein Teil des Konzepts war, nach den Workshops zu grillen und sich auszutauschen. Aus diesem Grund - und für das Abschlussfest - haben wir die entsprechende Infrastruktur mit Bar, Bühne und Musikanlage eingerichtet. Nachdem wir die ganze Infrastruktur aufgebaut hatten, gingen dann zwar die meisten Kursteilnehmer nach den Kursen nach Hause, aber es kamen andere Leute aus der ganzen Stadt und es sprach sich sehr schnell rum, so dass dann jeden Abend eine Bar hier war, obwohl das gar nicht so geplant war. Am ersten Wochenende machten wir eine Rocky Horror Night mit Film und Tanzeinlagen. Das war die Initiative meiner Freunde. Erfreulich war, dass total viele Leute verkleidet ankamen und die Stimmung ziemlich euphorisch war, und damit hatten wir wirklich nicht gerechnet. Nachdem dieses Fest dann ziemlich hohe Wellen geschlagen hatte, fragte uns unser jetziger Grafiker, ob er mit seiner Band „Flower“ auftreten könnte, und das war dann der eigentliche Start des poolbar Festivals, wie man es jetzt kennt, nämlich v.a. mit Konzerten.

War es als abgeschlossenes Projekt geplant?

Es war schon gedacht, dass man das möglicherweise jährlich macht, aber geplant war eigentlich gar nichts.

Wie war es mit den Finanzen?

Es ging extrem chaotisch los. Wir bekamen zwar schon im ersten Jahr zwei Förderungen in kleinem Rahmen, aber es blieb dann überhaupt nichts übrig, obwohl alle freiwillig arbeiteten. Das war zu jenem Zeitpunkt nicht so gravierend, weil sowieso niemand wusste, auf was man sich einlässt oder was genau das Ziel war, aber es wurmte und dennoch, denn es steckte ja viel Arbeit dahinter.

Beim ersten Festival hätte ich noch den vermeintlichen Überblick über die Finanzen haben sollen, hatte ich aber nicht. Meine Prognosen trafen keineswegs zu, so dass wir viel zu große Ausgaben hatten, und die Abrechnung war auch nicht gerade das, was ein gelernter Buchhalter sich wünschen würde. Wir haben es aber überlebt und dachten, wir könnten die Idee weiterentwickeln.

Wie kamt ihr zum Raum?

Das erste Mal war es im Pförtnerhaus des Landeskonservatoriums, und das war eine wunderschöne, alte, aber total desolate Halle mit Löchern im Boden etc. Wir bekamen es deshalb auch einigermaßen problemlos unter der Bedingung, dass wir die Verantwortung übernehmen, wenn etwas passiert. Das Gebäude wurde im Jahr darauf dann aber saniert und so sind wir in das Hallenbad eingezogen, wo dann auch der Name poolbar entstand. Vorher hieß das Projekt ja „Feldkircher Kreaktivwochen“.

Wie war denn der Übergang von der ersten spontanen Aktion zu einem professionell organisierten Festival?

Das ist noch heute nicht abgeschlossen – Zur Professionalität benötigt man Geld und qualifizierte Beteiligte. An beidem herrscht nach wie vor Mangel…

Es wurde und wird also von Jahr zu Jahr weiterentwickelt. Wir sind gelegentlich auch ziemlich auf die Schnauze gefallen und haben uns in einem Jahr auch unglaublich verschuldet. Es waren zwar viele Leute da, aber wir hatten es einfach nicht unter Kontrolle – das Festival war schneller gewachsen als die Organsiationsstruktur.

Konntet ihr euch selber etwas bezahlen?

Nein, lange nichts. Am Anfang waren wir ein loser Haufen ohne Rechtsform und erst im dritten Jahr wurden wir dann ein Verein. Der Vorstand bekam aber fast nie etwas, obwohl es immer geplant war. Wir hatten aber nie genug Geld. Irgendwann wollten wir das Ganze aber etwas flotter professionalisieren und das Risiko reduzieren, da wir sehr viel Zeit investierten und ohne Bezahlung - speziell weil wir am Ende der Studien waren und es langsam um den lebensunterhalt gehen würde - konnte das einfach nicht mehr so weiter gehen. Wir gründeten dann 2006 eine GMBH und die tragen wir zu zweit, wobei wir natürlich nach wie vor einen riesigen Haufen von klugen und qualifizierten Leuten haben, die großteils wahnsinnig engagiert mitwirken. Wenn es daneben geht, halten wir zwei aber den Kopf hin und alle anderen werden ganz normal ausbezahlt. Wir handeln mit den Leuten Verträge aus und die Leute werden einigermaßen normal dafür bezahlt. Wir kriegen nur was bezahlt, wenn es gut läuft.

Fühlst du dich wohl, so zu leben, ohne einen sicheren Lohn zu haben?

Ich würde mich wohler fühlen, wenn ich ein Standbein hätte, wo mörderisch Kohle reinkommt und das mich absichert. Ich hätte gerne eine Festanstellung, aber nicht eine, die mich bindet. Nach dem Festival habe ich es zum Beispiel irrsinnig genossen, dass ein kleiner Verlag mir angeboten hat, wieder Texte über ein paar Lokale zu schreiben. Das ist ein gemütlicher und genüsslicher Job, bei dem ich mir die Zeit selbst einteilen kann, und da weiß ich einfach, dass ich einen bestimmten Betrag dafür bekomme – es ist eine Wohltat, wenn man mal keine riesige Verantwortung zu tragen hat und wenn man weiß, dass die Arbeit jedenfalls honoriert wird. Ich würde nicht nur das wollen, aber beim poolbar Festival steht es immer in den Sternen, ob man Geld dafür bekommt.

Wie siehst du deine zukünftige Arbeitswelt?

Ich habe ja jetzt ein lukrativeres zweites Standbein bei „the gap“ und das ist ein Job, der zwar auch sehr leistungsabhängig ist, aber es ist kein unerträglicher Druck da. Und es ist ein Job, bei dem ich meine poolbar-Kontakte nutzen kann und gleichzeitig neue Kontakte für die poolbar aufbauen kann. Davon profitieren alle Beteiligten, das mag ich.

Du hast ja keine traditionelle Projektmanagementausbildung. Hast du das als positiv oder negativ empfunden?

Architektur ist schon auch Projektmanagement, aber ich habe nie gelernt, wie man Projekte organisiert. Ich habe das learning by doing und learning by Fehler machen gelernt. Ich denke, wenn ich alles viel besser kalkuliert und geplant hätte, wäre ein Grossteil der Dinge gar nicht entstanden. Vieles war unüberlegt und spontan und basierte einfach auf Lust. Man hatte schon im Hinterkopf, dass es sich finanziell ausgehen sollte oder sogar rentieren sollte, aber professionell überlegt haben wir uns das nie. Meine Schwäche oder vielleicht auch die Stärke war, dass ich im Zweifelsfall immer vom positiven Fall ausging.

Hattest du während dem Studium schon so eine Projektorganisationskarriere geplant?

Nein, ich hatte nicht im Entferntesten geplant, die poolbar beruflich zu machen. Es zeigte sich einfach, dass ich mich nach dem Studium entscheiden musste, das eine oder das andere zu machen, weil beides zeitlich nicht möglich gewesen wäre.

Hat dein beruflicher Hintergrund also auch damit zu tun, dass es bei euch Architekturwettbewerbe, Modeshows etc. gibt?

Auf jeden Fall. Das ist aus der Geschichte des Festivals am besten erklärbar. Workshops und gestalterische Tätigkeiten waren der Ursprung meines Interesses und des Festivals und das zog sich dann permanent durch. Die Workshops wurden dann weniger, weil das „Lehrer-Schüler-Prinzip“ keinen Mensch mehr interessierte, aber wir hatten das Gefühl, dass das Gestalterische zwingend zum Festival dazugehörte. Durch die Wettbewerbe lässt sich dies auf eine ganz neue, aber viel zeitgemäßere und passendere Art wieder integrieren.

In welchem Sinn sind Wettbewerbe zeitgemäßer und passender?

Die ursprünglichen Workshops waren sehr klassisch. Es gab einen Lehrer und ein paar Schüler, die (überspitzt formuliert) nachmachen, was der Lehrer ihnen zeigt. Gerade unser Publikum, das ich als kritisches Publikum im positiven Sinne sehe, lässt sich natürlich nichts vorsetzen, weil die Leute selber etwas machen wollen, und da ist ein Wettbewerb sicher die bessere Form. Die Leute wollen auch nicht für einen Workshop bezahlen, sondern selber – und ohne Unkosten - aktiv sein. Inzwischen ist das poolbar Festival so etabliert, dass es auch eine außerordentlich große Medienaufmerksamkeit erfährt. Das ist für viele, die bei uns mitmachen, sicher auch ein Anreiz, weil eine solche Referenz den Berufseinstieg erleichtern kann.

Wie gehst du persönlich mit eurem Erfolg um?

Ich bin vielleicht in Vorarlberg einigermaßen bekannt, aber im restlichen Österreich kennt mich kaum jemand. Das poolbar Festival kennt man hingegen in den entsprechenden Szenen, wobei sich das auch immer mehr öffnet. Wir erreichen auch mehr Leute, indem wir verschiedene Dinge veranstalten und daher ganz unterschiedliches Publikum ansprechen.

Wie erreicht ihr die bekannteren Bands?

Bei den bekannteren Bands ist es schon eher so, dass wir auf sie bzw. auf deren Agenturen zu gehen, wobei natürlich über die Jahre Freundschaften oder zumindest freundschaftliche Kontakte mit Bands oder Agenturen entstanden sind, sowie z.B. zur Powerline in Berlin. Da findet auch einfach ein ganz normaler Inforastausch statt, und die Agenturen fragen uns auch manchmal, ob wir etwas mit einer bestimmten Band machen möchten. Im Normalfall läuft alles über Agenturen und wir besprechen die Angebote dann in der Programmgruppe.

Gibt es Bands, die öfters beim poolbar Festival auftreten?

Wir schauen, dass es möglichst viel Abwechslung gibt, aber es gibt auch Bands, die schon öfters bei uns waren wie die Sterne, Calexico oder Stereo Total. Wenn das Publikum und wir begeistert sind und die Band begeistert vom Festival ist, sind wir nicht so stur.

Wie ist das Feedback von seiten der Bands.

Im Normalfall ist das Feedback extrem gut. Beim letztjährigen poolbar-Festival zeigten das die letzten zwei Tage sehr deutlich. Der begeisterte Sänger von Tomte ist nach dem Konzert an der Bar an mich herangetreten und hat mich fast schüchtern gebeten, nächstes Jahr wiederkommen zu dürfen. Was für eine Frage! Oder der Bassist von Calexico: der hat mir geschrieben, dass er sich sogar überlegt hat, nach Feldkirch zu ziehen.

Woran liegt das?

Die Bands haben halt auch immer wieder mitbekommen, dass wir kein Festival sind, wie es hunderttausend andere gibt, wo nichts Besonderes passiert und man einfach der Band eine Gage zahlt und dann schaut, dass diese durch die Tickets refinanziert wird. Bei uns passiert halt einfach wesentlich mehr, und das kriegen die Bands sofort mit, allein schon wenn sie das Magazin oder die Einrichtung sehen, und wenn sie merken, dass da nicht irgendwelche professionellen Veranstalter oder Betreuungsagenturen am Werk sind, sondern dass versucht wird, das Ganze möglichst menschlich anzugehen. Und natürlich gefällt auch der gestalterische Rahmen sehr vielen, also das Plakat, das Magazin oder die Einrichtung sind einfach etwas Besonderes.

Dann gibt es also extrem wenige Unternehmen, die so etwas bieten können?

Es ist halt extrem schwierig und man braucht ein Team, das sehr engagiert ist und die üblichen Grenzen am besten gar nicht kennt. Wir haben keine professionellen Caterer bei uns, sondern einfach Leute, die mit dem Festival selber und mit den Bands viel anfangen können. Bei uns können die meisten, die beim Festival mitwirken, mit Hintergrundwissen mit der Band sprechen und sind auch sehr neugierig, die Bands kennen zu lernen und das ist für die Bands sehr speziell.

Welche Rolle habt ihr für Feldkirch gespielt?

Die Stadt Feldkirch hat uns inzwischen die schriftliche Zusage gegeben, dass sie uns die nächsten 5 Jahre fördern werden. Es ist nicht extrem viel, was wir erhalten, aber es ist mehr als früher und sie haben sich längerfristig gebunden. Das ist für uns auch wichtig, nicht jedes Jahr bei Null anfangen und betteln zu müssen.

Warum ist das wohl auf einmal so?

Wir haben einfach gesagt, dass es anders nicht mehr geht. Wir haben ständig unsere eigene Existenz aufs Spiel gesetzt, denn wenn etwas schief geht, müssen wir dafür gerade stehen. Und die Stadt profitiert ja von uns, egal wie es bei uns läuft. Wir sind jetzt keine Studenten mehr und da hat der Wahnsinn irgendwann Grenzen.

Das Festival war aber kein Grund, nach Feldkirch zurückzuziehen?

Bisher nicht. Ich genieße es sehr, zwischen Großstadt und Land hin- und herzupendeln. Ich bin in Wien nicht permanent auf Achse, aber ich habe dort viel mit Leuten zu tun, die andere Perspektiven haben und das schadet sicher nichts. Ein Blick von Außen ist nie schlecht.

Gab es bei der poolbar viel Kritik?

Die klassische Kritik ist, dass alles zu teuer ist und alles gratis sein müsste. Die Stadt hat kritisiert, dass das Festival zu wenig Linie verfolgt und dass das Programm zu zerfranst ist. Das nehme ich aber nicht ernst, da das meiner Meinung nach nur jemand sagen kann, der außenstehend und ahnungslos ist. Denn die poolbar steht ja gerade für den modernen, „ausgefransten“ Weg, nicht für Spezialisierung und Einschränkung.

Wir schauen auch immer darauf, dass wir nicht zu kommerziell werden, aber dieser Vorwurf kommt ohnehin sehr selten. Ich bin da ziemlich heikel und schaue, dass wir unsere eigene Linie verfolgen.

Was es dieses Jahr öfters gegeben hat, war die Kritik, dass es zu heiß war. Das haben wir dann selbstverständlich – so wie ohnehin jedes Jahr - an die Stadt weitergeleitet, da wir schlicht und einfach keine Kühlmöglichkeit haben und auch sonst erwarten, dass die Stadt Feldkirch als Eigentümerin des Gebäudes, das wir mieten, die dringend benötigte Infrastruktur schafft, die für ein einigermaßen modernes Veranstaltungszentrum einfach benötigt wird. Lift, Zufahrt, Kühlung, Technik, Akustik etc.

Werden heute zunehmend Projekte offen gelassen, um mehr zu ermöglichen?

Ich glaube, dass Veranstalter in den meisten Fällen Linien und Themen für ein Festival vorgegeben, damit man sie besser vermarkten kann. Ich halte das aber im Fall des poolbar-Festivals für Schwachsinn, sich so einzugrenzen und ich denke, dann passiert auch sehr viel Aufgesetztes. Man könnte schon argumentieren, dass es konzentrierter und tiefer wird, aber die Gefahr, dass man sich in etwas Sinnlosem verzettelt ist meiner Meinung nach viel größer. Marketingtechnisch ist es mir egal, denn das Festival ist sowieso viel zu komplex, um es in einen Dreizeiler zusammenzufassen. Und das Marketing funktioniert auch so recht gut.

Was hat sich in den letzten Jahren bezüglich dieser Offenheit verändert?

Ich habe das Gefühl, dass man seit 2 oder 3 Jahren daran interessiert ist, verstärkt Grenzen zu überwinden und sich nicht mehr so von anderen Richtungen abzugrenzen. Das ist schon ein Zeichen der Zeit, um es geschwollen auszudrücken. In der Musik ist es ganz extrem, dass da gemischt und zusammengewürfelt wird, was nur geht, aber ich merke es auch daran, dass das Kunstmuseum Liechtenstein oder das Kunsthaus Bregenz Interesse haben, mit uns zusammenzuarbeiten. Das wäre vor 5 Jahren fast ausgeschlossen gewesen.

Bleibst du beim poolbar Festival, oder willst du mal etwas anderes machen?

Das ist die Frage, deren Beantwortung ich immer wieder hinausgeschoben habe. Im Moment möchte ich mir keine Grenze setzen, aber wenn sich ein neues Projekt auftut, ich ein interessantes Angebot erhalte, werde ich mir das überlegen. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich noch etwas Neues umsetzen möchte, findet das im Festival eigentlich immer Platz. Wie beispielsweise der Modewettbewerb. Die poolbar ist eine permanente Herausforderung, denn sie schreit nach Neuem, nach Ideen.

Woher kommen die Ideen?

Wir nehmen auch von außen sehr viel auf. Wenn nur alles von mir käme, wäre das Festival nicht sehr vielseitig. Wir haben ein fünfzehnköpfiges Team, das sich ziemlich regelmäßig trifft, und da bespricht man alles Mögliche. Viel zu oft verfallen wir in viel zu pragmatische Diskussionen, aber beim darauf folgenden Bier ist man dann weniger verkrampft, und da entstehen immer ein paar gute (und schlechte) Ideen.

Dann hast du deinen Beruf somit also eigentlich selbst entwickelt?

Er hat sich irgendwie von selbst entwickelt. Ich habe den Beruf immer begleitet, bis sich überhaupt erst herausgestellt hat, dass er einer ist. Phasenweise bin ich schon stolz darauf. Das ganze mediale Feedback sowie die Freude des Publikums geben Bestätigung, aber die finanzielle Situation und auch die eine oder andere Kritik oder Reiberei holen einen immer wieder auf den Boden zurück. Es kommt immer auf die Zeit an. Im Herbst macht sich immer die Erschöpfung breit und da ist man auch anfälliger für die negativen Seiten, aber sobald es wieder richtig los geht, kommen auch wieder die Energie und der Stolz zum Vorschein.

Wie hält man so ein großes Team zusammen ?

Es stimmt schon, dass wir ein großes Team sind, aber die Leute betreuen dann teilweise auch nur kleine Bereiche und sind nicht das ganze Jahr beschäftigt. Es ist extrem schwierig, die Leute immer begeistern zu können – aber die meisten sind es ja von sich aus. Für viele Leute ist ein solcher Job eine gute Chance. Viele sind Studenten, die als einfache Mitarbeiter beginnen und dann immer mehr einsteigen und mitwachsen. Wir legen großen Wert darauf, dass sich die Leute mit dem Festival identifizieren können und dass alle mitreden können. Wir als Gesellschafter behalten es uns aber natürlich vor, zu entscheiden, was wir wirklich umsetzen, da wir ja immerhin das Risiko tragen. Wir besprechen viel in der Gruppe oder auch mit jedem einzelnen und greifen auch mal ein, wenn wir das Gefühl haben, dass etwas in die falsche Richtung läuft, aber grundsätzlich sind wir sehr froh, wenn die Leute selbstständig sind und einfach tun, was Sinn macht, was ihnen gefällt, was sie fordert und nicht zuletzt was sie auf jeden Fall laut Job Description zu tun haben.

Hat es auch schon größere Auseinandersetzungen gegeben?

In den Anfangsjahren war es teilweise heftig. Nach dem zweiten Jahr wollten zwei Leute die Kursreihe ganz alleine machen und hatten auch schon Anträge gestellt. Sie haben uns dann auch bei der Stadt angeschwärzt. Doch der Rest des Teams wunderte sich nur, schüttelte den Kopf und arbeitete unbeirrt bzw. noch motivierter am Projekt weiter. Das war eine heftige Auseinandersetzung und das hat mich auch sehr geprägt. Aber es hat auch danach natürlich immer wieder Auseinandersetzungen gegeben – allerdings nie wieder so extrem.

Wir definieren seither die Aufgabenbereiche, Budgetfragen etc. nun immer sehr klar, damit es keine Missverständnisse mehr gibt. Damit sind schon sehr viele Reibereien von vornherein ausgeschlossen.

Was hast du gelernt?

Spätestens als ich eine Gastritis bekommen habe, habe ich mich ziemlich umgestellt. Die ersten Jahre war ich sehr angespannt und es hat mir alles extrem auf den Magen geschlagen, und spätestens damals habe ich einen ziemlichen Panzer aufgebaut und habe die Dinge nicht mehr so an mich rangelassen. Oder vielleicht habe ich mir auch die viele Arbeit einfach angewöhnt. Seither geht es jedenfalls besser. Früher konnte ich nach einem Arbeitstag nicht einfach abschalten und auch das Team und die Strukturen waren wesentlich unprofessioneller. Ich fühlte mich für alles verantwortlich, und so kann man nur kaputtgehen. Jetzt funktioniert das Team und jeder weiß, was er zu tun hat. Natürlich geht immer auch mal etwas daneben, aber inzwischen weiß ich auch, dass es nicht so dramatisch ist. Und wenn Feierabend ist, ist jetzt auch Feierabend.

Ich halte mich eigentlich für sehr altmodisch und konservativ. Ich habe aber auch viel mit Leuten zu tun, die mich für den totalen Freak halten. Konservativ bin ich sicher von dem her, dass ich ein gewisses Sicherheitsdenken habe und mich nicht mehr so blind ins Chaos und Risiko stürze.