Da in Japan die Hauswände oft dünn sind und Menschen auf kleinemRaum zusammenleben, wird die Intimsphäre nicht selten in so genannteLove Hotels ausgelagert. Entgegen den westlichen Vorstellungen geltensolche Stundenhotels nicht unbedingt als anrüchig und werden von derbreiten Bevölkerung genutzt. Seit den 80er Jahren werden die Räumezunehmend gestaltet und themenbezogen inszeniert, um mehr Gästeanzulocken. Das japanische LOVE HOTEL im Spannungsfeld zwischen Rotlichtmilieuund Alltagskultur bildet die Grundlage für ein Kunstprojekt, welchesvom 6.-13. Juni 2009 in einem Haus im alten Kern der Gemeinde Vaduzumgesetzt wird. Verschiedene Kunstschaffende werden eingeladen,persönliche Geschichten und Momente, welche dem Besuch eines LoveHotels vorangegangen sein könnten, künstlerisch umzusetzen und in deneinzelnen Räumen zu inszenieren. Als Inspiration und Arbeitsmaterialstellt der Schriftsteller Michael Donhauser den Künstler/innen zwei Texte zur Verfügung. An den Tagen zwischen Vernissage und Finissage können die Räumestundenweise zu einem freiwilligen Tarif gemietet werden, wobei sie fürProjektbesprechungen, Workshops, Lesungen, Präsentationen, Filmabende,Kaffeerunden, Begegnungen und andere Aktivitäten zur Verfügung stehensollen. Weitere Infos unter www.lovehotel.li Film "Destination Love Hotel" 
Und die Augen Und die AugenUnd die Augen, die wir waren, da wir sahen, da bald glühte einesAbends, bald verborgen, was uns grüsste, täuschte oder nahe war, dennes blieb ein Blick und fragte, zog wie Schatten, war ein Hören, und eswankte leicht und zögernd, was uns fand und lächelnd säumte lang dieStrasse als ein Himmel, als ein Wieder, dass wie Silben, da wir fuhren,war das Sagen, sieh und weiter, wie sich neigte und das Dröhnen warfast Lied, wie die Namen, die wir tauschten, da als Äste sichverzweigte oder dunkler war die Nacht, und wir suchten, und es legtesanft wie Hände sich ein Schauen oder lachte, wenn uns streifte, wasverloren als ein Mond füllte unsere erste Stille, die noch leiser dannund tönte, da durch Dörfer bog und ein, Fahrt war, was sich gab wiehin, uns verwandt und Worte zählte.
Michael Donhauser
ORIENT ORIENTVorübergehend, fragte die Dame an der Rezeption und meinte, für wielange, denn die Gäste, welche dort nächtigten, kamen zuoberst in denvierten Stock, wegen des Stufensteigens, während die, welche nur eineStunde blieben, ein Zimmer im ersten oder zweiten Stock bekamen, imORIENT, so hiess das Hotel – wir nahmen eines im dritten, weil wir unsnicht entscheiden konnten, wie lange wir blieben, und lachten, wie wirdie Stufen hinan stiegen, Olga ging voraus, und ich sah ihre Beine, ichmochte die Art, wie sie die Stufen nahm, selbstbewusst und mädchenhaftin einem – ich atmete ihren Duft, trotz des starken Eigengeruchs, dendas Stiegenhaus hatte, wir lachten über unsere Unentschiedenheit in derEntschiedenheit, womit wir das ORIENT durch die Drehtür betretenhatten, etwas unvorbereitet dann auf jene Frage in einem Wort:vorübergehend? Stiegenhäuser waren damals noch eher düster, mit Teppichläufern,welche einem führten, in die Höhe, und eine Ahnung gaben von denZimmern und den Hunderten von Gästen, welche so wie wir da schonhinaufgestiegen waren – ich hoffte auch kurz, niemandem zu begegnen,keinem Paar, das in einer Kehre wartete, etwas ausdruckslos, um unsvorbeizulassen, keiner Putzfrau, welche mit einem Kübel da stünde, undim Flur, vor der Zimmertür, holte mich doch noch eine seltsame Ungeduldein – ins Zimmer fiel Streulicht von draussen, dann war es erleuchtet,gelblich von einer müden Deckenlampe, die als ein Auge schien, das überJahre schon Liebesspiele sah, wie die Tapeten, welche das Atmen undStöhnen hörten: wir standen plötzlich etwas ratlos in dem Zimmer, Olgaund ich, als hätten wir den Faden verloren, der uns führte, wenn auchvorübergehend nur, durch das Labyrinth unserer Leidenschaft. Michael Donhauser
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